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Wie Tiere denken und fühlen

Kennt ihr das, dass ihr gewisse Erwartungen an ein Buch habt und diese nicht erfüllt werden – sondern übertroffen? Bei meinem heute vorgestellten Buch „Wie Tiere denken und fühlen“ ging ich davon aus, dass bestimmte Tierarten vorgestellt werden mit entsprechenden Forschungsergebnissen zu dessen Gefühlswelt. Aber weit gefehlt! Ja, es geht um die Gefühlswelt und das Verhalten der Tiere, aber um ALLE Tiere. Also auch um den Menschen. Denn in der Biologie zählen wir als eine der vier Menschenaffenarten (neben Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans) ebenfalls zu den Tieren. Und das macht dieses Sachbuch zu so viel mehr: es kann nicht nur helfen das Verhalten der Tiere besser zu verstehen, sondern auch von uns Menschen.

Das Buch „Wie Tiere denken und fühlen“ von Karsten Brensing ist 2019 im Loewe Verlag erschienen. Es umfasst 176 Seiten und wird für Kinder ab neun Jahren empfohlen.

Es ist in folgende Kapitel unterteilt: Sozialleben, Tiere mit Persönlichkeit, Selbstbewusstsein, Die Sprache der Tiere, Denken, Fühlen, Mitgefühl, Von der Natur zur Kultur und zum Schluss noch Gerechtigkeit.

Die jeweiligen Kapitel sind wiederum in zwei- bis vierseitige Unterkapitel unterteilt. 

Zu sämtlichen Kapiteln wird der aktuelle Forschungsstand kindgerecht erklärt. Der Leser lernt beispielsweise, dass ein Schwein die Funktionsweise eines Spiegels versteht und somit den Spiegel dazu nutzen kann, um Verborgenes zu sehen (ähnlich dem Spieglein, mit dem der Zahnarzt den Mund untersucht). Oder dass die Körpersprache von Mensch und Gorilla gar nicht so unterschiedlich ist, so verbindet der Gorilla beispielweise die Geste „Hand zum Mund führen“ ebenfalls mit der Nahrungsaufnahme.

Die Theorie ist im Fliesstext geschrieben. Ergänzend dazu gibt es viele Infokästen mit weiteren interessanten Fakten oder zum Thema passenden Experimenten, welche die Kinder – manchmal alleine und manchmal mit Begleitung – durchführen können.

Zum Schluss des Buches gibt es ein umfassendes Glossar, wo die im Buch fettgedruckten Begriffe erklärt werden.

Wie bereits erwähnt finde ich das Buch sehr kindgerecht geschrieben. So werden komplexe Themen mit für Kinder sehr nachvollziehbaren Beispielen verdeutlicht. Toll finde ich, dass auch Fachwörter den Weg in dieses Sachbuch gefunden haben, natürlich mit entsprechenden Erklärungen.

Die Infoboxen, die Experimente und auch der teilweise witzige Schreibstil des Autors lockern die wissenschaftlichen Erkenntnisse auf und machen Freude am Lesen.

„Wie Tiere denken und fühlen“ wurde von Nikolai Renger illustriert. Das Buch besteht aus einer Mischung von Fotos und Zeichnungen. Die bunten, teilweise karikaturartigen Illustrationen werten das Buch zusätzlich auf.

Allerdings hat mich das Buch auch nachdenklich gestimmt: es werden so viele Forschungsergebnisse aufgezählt und irgendwie wurden diese Studien an den Tieren ja durchgeführt. Ich befürchte, dass diese wohl meist nicht am freilebenden Tier gemacht wurden. Deshalb schätze ich es auch sehr vom Autor, dass er offen schreibt, dass diese Versuche leider teilweise auf Kosten der Tiere gemacht wurden. Und er fordert die Kinder wiederholt dazu auf, die Tiere bei eigenen Experimenten gut zu beobachten und sofort abzubrechen, sollte das Tier sich plötzlich anders verhalten.

„Wie Tiere denken und fühlen“ fordert den Leser zur genauen Beobachtung auf und unterstützt dessen Entdeckerfreude. Für mich ist es ein spannendes Sachbuch mit sehr viel Wissen über das Verhalten von Tier und Mensch. Worin klar gezeigt wird, dass es keine geistige Fähigkeit gibt, welche nur wir Menschen für uns beanspruchen dürfen. 

Das Buch hilft Tiere, aber auch Menschen besser zu verstehen. Für mich hat „Wie Tiere denken und fühlen“ einen klaren Mehrwert für Kinder und für Erwachsene, weshalb ich es gerne weiterempfehle. 

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