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Anna und Otis

Wir alle werden konfrontiert mit Vorurteilen. Manchmal bilden wir uns Vorurteile über Andere und manchmal machen andere Vorurteile über uns. Und das, obwohl die meisten wissen wie hinderlich Vorurteile im Zusammenleben sein können. Sie hindern uns offen auf andere zuzugehen und zum Beispiel von einander lernen zu können oder zusammen eine schöne Zeit zu haben.

Seit einer Weile versuche ich mich selber zu reflektieren, um Vorurteile schneller aus dem Weg zu schaffen (oder gar nicht erst zu bilden). Auch wenn ich (noch) ganz weit davon entfernt bin vorurteilsfrei durch die Welt zu gehen, merke ich, dass es mir besser geht. Das Leben fühlt sich irgendwie leichter an. Wie schön wäre es, wenn alle Menschen darauf achten würden, weniger Vorurteile zu bilden. Ich stelle mir vor, dass es auf der Welt wieder eher ein Miteinander sein würde und wieder mehr gelacht werden würde. 

Gibt es Situationen in denen du dich immer wieder dabei ertappst Vorurteile zu haben?

Die Geschichte „Anna und Otis“ handelt genau von diesen Vorurteilen. Sie erschien 2019 im Beltz & Gelberg Verlag. Die Autorin der 30 Seiten langen Geschichte ist Maisie Paradise Shearring.

Anna (das Mädchen) und Otis (die Schlange) sind beste Freunde. Sie spielen viel zusammen und gehen auf Entdeckungsjagd. Eines Tages möchte Anna aber mit Otis in die Stadt gehen, da es dort noch viel mehr Abenteuer zu erleben gibt. Otis hat Angst davor, da er bisher schon schlechte Erfahrungen mit anderen Menschen gemacht hat, die Angst vor ihm haben. Anna ermutigt Otis allerdings und so gehen sie zusammen in die Stadt. In der Stadt werden die beiden mit ganz vielen gemeinen und ängstlichen Kommentaren konfrontiert, sodass Otis sehr, sehr traurig wird. Anna tröstet ihren besten Freund und erklärt ihm, dass die Leute nur so reagieren, da sie bisher noch nie eine Schlange getroffen haben und deshalb Angst vor ihm haben. Er müsse einfach mutig sein und es nochmals versuchen: „Lächle einfach und sag hallo.“ So wagt Otis einen zweiten Versuch und zeigt sich beim Friseur, in der Velowerkstatt, im Skatepark und im Restaurant ganz mutig. Durch diese offene und mutige Art gewinnt Otis schon bald neue Freunde.

Ich finde „Anna und Otis“ eine schöne Geschichte, welche die Angst vor dem Fremden und wie damit umgegangen werden kann auf eine wunderbare Art und Weise thematisiert. Die Autorin hat ihrer Fantasie freien Lauf gelassen, so sind auch witzige Ideen dabei: zum Beispiel lässt sich Otis beim Friseur den Kopf schamponieren Der Text ist in kurzen Sätzen gehalten und sämtliche direkten Reden in Sprechblasen, wie in einer Art Comic dargestellt. 

Auch die Zeichnungen sind sehr ansprechend. Sie sind bunt gehalten und es gibt darauf sehr viel zu entdecken. „Anna und Otis“ wird von vier bis sechs Jahren empfohlen. Durch den Wimmelbuch-Charakter der Zeichnungen können aber auch jüngere Kinder bereits Freunde am Buch haben.

Gerne empfehle ich „Anna und Otis“ weiter. Denn es ist eine tiefgründige Geschichte, einfach erklärt und mit wunderschönen Zeichnungen.

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